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Fasching: Alles nur Spaß?

Von: Referat für Antirassismus (15.11.2010, 10:03)

Nicht „Nachahmung“, sondern Rassismus: diesjährige Faschingsplakate studentischer Gruppen in Leipzig.

Das Plakat des diesjährigen Ba-Hu-Faschings sorgte für viele Diskussionen. Einige Menschen hätte es nicht verwundert, am 11.11. im Spizz-Keller an rassistische Blackface-Maskerade erinnernde Einlagen zu sehen. Das Plakatmotiv: ein nicht vollständig schwarz angemalter Weißer, verkleidet als Entertainer [1].

Eine Hautfarbe ist kein „Anders“-Sein und kein auswechselbares Partymotto. Diese Assoziation ist eine Beleidigung für alle, die aufgrund ihrer Hautfarbe Diskriminierungen erfahren haben. Da der Abgebildete zudem die Rolle des Entertainers innehat, reduziert das Plakat die Hautfarbe auf das Showbusiness – und bedient damit das mehrheitliche Ansinnen, Schwarze nur auf der Bühne zu tolerieren. Seine Witzigkeit im unreflektierten Faschingspublikum bezieht das Plakat daraus, dass es so ungeheuer komisch aussieht, wie sich ein Weißer angeschmiert und an bestimmten Stellen nicht angeschmiert hat. Gute Satire bricht mit gesellschaftlichem Machtgefälle – dieses Plakat reproduziert es. Da spielt es keine Rolle, ob BetrachterInnen auf dem Plakat Roberto Blanco erkennen oder nicht.

Eine Alternative? Wie der Ba-Hu-Elferrat richtig festgestellt hat, ist es keine Lösung, in Zukunft nur noch Weiße zu parodieren. Warum ist kein Schwarzer auf dem Plakat? Gute Satire lebt von Selbstkritik. Warum parodiert der Ba-Hu-Elferrat nicht mal ostdeutsche männliche weiße Baustudenten? Außerdem erstrebenswert: eine reflektierte Gesellschaft. Daher ist es wichtig, dass dieser Diskurs geführt wird, ohne regressiv zu werden: Es ist wünschenswert, wenn die Bedeutung einer Hautfarbe ähnlich gering wäre wie die einer Verkleidung. In dieser mehrheitlich unreflektierten und weißen Gesellschaft ist das jedoch nicht der Fall – daher müssen nicht die Abbildung einer Hautfarbe an sich, sondern rassistische Vorurteile kritisiert werden.

Noch kritikwürdiger ist das diesjährige Plakat des Medifaschings [2]: Hier hatte eine Protagonistin anscheinend Spaß dabei, sich mit schwarzer Farbe einzureiben, während die anderen mit ihren Dekolletés wieder einreißen, was emanzipierte Frauen in Jahrzehnten erarbeitet haben. Wir erkennen alle, dass dabei das „A-Team“ parodiert werden soll. Aber wenn schon die Vorlage dermaßen billig ist, wie soll sich erst das Publikum dort verhalten? Und welche schwarzen BesucherInnen sollen sich dort wohl fühlen, wenn sich das Plakat dermaßen über ihre Hautfarbe lustig macht?

Siehe auch: blog.derbraunemob.info/2010/11/13/blackface-karneval-nicht-rassistisch-da-in-leipzig/

[1] blog.derbraunemob.info/wp-content/uploads/2010/11/kleiner_Fasching_Studibild.jpg
[2] www.leipzig-medizin.de/bilder/medifasching_11_2010k.jpg