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Hochschulentwicklungsplan 2020

Die Staatsministerin Schorlemer stellte am 21.01.2011 auf der ver.di Konferenz "Wissenschafts(t)räume - das Konzept für die Zukunft Sachsens" und am 04.02.2011 in einem Artikel in der Sächsischen Zeitung das Konzept für den Hochschulentwicklungsplan 2020 vor.

Kernpunkte:

  • Der Hochschulentwicklungsplan ist die Antwort des SMWK auf zurückgehende Finanzmittel und auf die gesellschaftlichen Veränderung (z.B. Demographie, Entwicklung zu einer Wissensgesellschaft) im Freitstaat Sachsen.
  • Die Grundlage für das Konzept ist der Wissenstransfer in Bildung und Forschung. Die Hochschulen sind die geistigen Zentren und Kristallisationspunkte in Sachsen.
  • Ziele sind die Sichtbarmachung der sächsischen Wissenschaftslandschaft, Etablierung neuer Kommunikationsplattformen, Hebung der Synergieeffekte und Stärkung der Familienfreundlichkeit.
  • Wichtig ist hierbei die Etablierung der Wissenschaftsräume Leipzig, Dresden, Chemnitz und Freiberg. Wissenschaftsforen stellen dabei die Gremien der Räume dar. Zur Koordination der Wissenschaftsräume werden KoordinatorInnen vom SMWK eingesetzt.
  • Die Rolle des SMWK beschränkt sich auf die landesweite Abstimmung des Angebotes und die Bestätigung der Agendas der einzelnen Wissenschaftsräume.
  • Laut aktuellen Informationen ist mit massiven Kürzungen an den Hochschulen zu rechnen. Allein an der Universität Leipzig sollen bis 2015 72 Stellen gestrichen werden.

Vorschläge der Konferenz Sächsischer Studierendenschaften (KSS)

Im Zuge einer Pressekonferenz, die am 06.09.2011 im Sächsischen Landtag stattfand veröffentlichte die Landesstudierendenvertretung ihren Alternativplan zur Hochschulentwicklung 2020. Darin werden nicht nur Kritikpunkte am Plan des SMWK offen gelegt, sondern auch konstruktive Vorschläge zur Debatte gestellt.

Positionierung des StudentInnenRates

Am 01.03.2011 verabschiedetet das Plenum inhaltliche Punkte zu einer Positionierung zu dem Konzept der Wissenschaftsräume im Hochschulentwicklungsplan 2020. Entsprechend dessen wurde folgende Positionierung erarbeitet:

In verschiedenen Publikationen stellte das SMWK, in persona die Staatsministerin Sabine von Schorlemer den RektorInnen Sachsens den Hochschulentwicklungsplan 2020 vor. Vordergründig basiert dieser auf der Konstruktion von Wissenschaftsräumen um die Städte Leipzig, Dresden und Chemnitz.

Das SMWK geht in seinen Überlegungen von sinkenden Studierendenzahlen in den kommenden Jahren aus. Leider wird kein Wort auf die an sächsischen Hochschulen seit Jahren bestehende Überlast verwendet. Sollten sich die demographischen Projektionen bewahrheiten würde hier die Chance bestehen, die unterdurchschnittlichen Betreuungsrelationen - vor allem in den geisteswissenschaftlichen Fachbereichen - zu verbessern. Diese Chance wird leider nicht genutzt, stattdessen zementiert das Papier den ab 2013 einzuleitenden Stellenabbau von jährlich 100 Stellen als "beschlossen" und suggeriert damit "Alternativlosigkeit". Dem ist mitnichten so, haben sich doch alle Projektionen zur Entwicklung der Studierendenzahlen der vergangenen 10 Jahre als falsch erwiesen. Außerdem ist zu klären, ob es überhaupt von Nöten ist, die Studierendenzahlen zu halten, oder sogar zu erhöhen, wenn gleichzeitig die Betreuungssituation immer schlechter wird.

Beschlüsse über die eigene Legislatur hinaus sind immer nur als Absichtserklärung zu verstehen. Die Forderung nach Schärfung der hochschulspezifischen Profile aufgrund der Mittelkürzung wird von Seiten der KSS abgelehnt. Diese Kürzungen hat die Landesregierung selber zu verantworten und sie waren nicht ohne Alternative.

Die Idee eines Wissenschaftsraumes ist an und für sich zu begrüßen, jedoch ist fraglich, ob diese nach dem Konzept des SMWK sinnvoll erscheint.

Im Konzept des SMWK werden die Wissenschaftsräume geographisch definiert. Ziel derartiger Wissenschaftsräume ist offenbar die Vernetzung der aktiven AkteurInnen. Hochschulen, Forschungseinrichtungen und die Wirtschaft sollen stärker in der Region zusammen arbeiten.

Es wird allerdings vernachlässigt, dass eine Vernetzung dieser AkteurInnen bereits bei zahlreichen Themenkomplexen existiert. Vorwiegend basieren alle bisher bekannten Vernetzungen auf einer thematischen Ebene. Thematische Netzwerke entwickeln sich vor allem dann, wenn der konkrete Bedarf besteht. So zum Beispiel bei hochschulübergreifenden Studiengängen oder Forschungsvorhaben, die von mehreren Hochschulen und/oder Forschungeinrichtungen getragen werden oder aber bei Forschungsvorhaben, bei denen eng mit der Wirtschaft zusammen gearbeitet wird.

Angedacht ist derzeit, Räume um die drei Großstädte Sachens, die an den Grenzen benachbarter Staaten und Bundesländer aufhören bzw. den Verwaltungsgrenzen der Landkreise folgen.

Landkreise sind jedoch nicht die Größe, in der in der Wissenschaft oder Wirtschaft gedacht wird. Dass sich die sächsischen Hochschulen in einem deutschen, europäischen und weltweiten Umfeld bewegen hat das SMWK erkannt. Der Lösungsansatz, schlagkräftige und spezialisierte sächsische Regionen dem gegenüber zu stellen klingt dabei verführerisch. Vielmehr werden die neuen Grenzen aber eine einengende Wirkung haben. Eine Bündelung der Kompetenzen sollte thematisch in ganz Sachsen forciert werden. Eine gezielte Nutzung der Pluralität von wissenschaftlicher Arbeit an verschiedenen Standorten in Sachsen würde Sachsen nachhaltig stärken.

Sowohl die sächsische Wissenschaft als auch die sächsische Wirtschaft würden sich selbst schaden, wenn sie nur innerhalb Sachsens zusammenarbeiten. Dank moderner Infrastruktur, vor allem im Kommunikationsbereich, ist eine enge geographische Zusammenarbeit oftmals obsolet.
Der Gedanke einer verstärkten Nutzung von Infrastruktur ist durchaus reizvoll. Dies kann z.B.  durch die gemeinsame Betreibung und Nutzung von Laboratorien oder Prüfständen geschehen. Besonders hochwertige und dementsprechend teure Maschinerie könnte gemeinschaftlich genutzt werden.

Hier ist eine enge Kooperation z.B. mit der regionalen Industrie durchaus wünschenswert. Überhaupt nicht sinnvoll ist die Zusammenlegung von Verwaltungseinrichtungen, vor allem wenn sie oft von Studierenden genutzt werden müssen. Die von der Ministerin vorgeschlagene gemeinsame Nutzung von Prüfungsämtern ist nicht realisierbar, zum eine weil die Prüfungsämter bereits heute personell unterbesetzt sind und zum anderen würden die Wege der Studierenden inakzeptabel lang. Gleiches gilt für MitarbeiterInnen der Hochschule, die sich neben dem Beruf keine langen Anfahrtswege leisten können.

Die jetzige Planung des SMWK lässt jedoch vermuten, dass auf Grund der bisherigen Ansätze und durch das Einsetzen von allgemeinen Wissenschaftsforen in den jeweiligen Wissenschaftsräumen eine neue Verwaltungsebene geschaffen wird.

Unter dem Gesichtspunkt der vom SMWK angeführten Veränderungen im Freistaat Sachsen ist der hauptsächliche Zweck der Wissenschaftsräume offenbar lediglich, Mittel einzusparen. Unter anderem erwähnte Frau Schorlemer die Zusammenlegung von Prüfungsämtern und Einrichtungen der Sprachenausbildung. Die Nutzung von Synergieeffekten in diesem Zusammenhang darf jedoch allenfalls als Nebeneffekt angesehen werden und kann nicht das vorrangige Ziel bei der Etablierung von Wissenschaftsräumen sein.

Die Folge der wissenschaftlichen bzw. thematischen Vernetzung sollte jedoch die sinnhafte Ressourcennutzung und die Schaffung von Synergieeffekten sein. Dafür bedarf es allerdings einer vorrangigen Bestandsaufnahme und Bedarfsanalyse, welche aber nach unseren Informationen derzeit nicht durchgeführt wird. Es ist bis dato unklar, wie eine Region wie z.B. Leipzig sich unter einem Konzept zusammenfinden soll.

Es ist nicht klar, wie „unnötige“ Dopplungen die Studienangebote betreffend überhaupt methodisch erkannt werden sollen. Ein ergründeter Bedarf auf Seiten eines irgendwie gearteten

„Marktes“ kann hier keinesfalls als Merkmal herhalten. Selbst bei ganz klar auf ein Berufsfeld zugeschnittene Studienrichtungen muss zumindest der bundesweite Bedarf in Betracht gezogen werden, wenn nicht gar der europäische.

Doch noch mehr Beschränkungen werden im Konzept des SMWK offensichtlich.

Einerseits behandeln Hochschulen nun einmal nicht nur wirtschaftsnahe Themen, sondern widmen sich einer Vielzahl von gesellschaftlich relevanten Bereichen. Rein gar nicht können Marktbedürfnisse für geisteswissenschaftliche und Querschnittsstudiengänge als Kriterium für ihre “Nützlichkeit” herhalten. Die KSS warnt davor, marktwirtschaftliche Kriterien zur Erhebung der Nötigkeit und Unnötigkeit von Studiengängen zu verwenden. Andererseits ist es auch in den wirtschaftsnahen Bereichen der Hochschulausbildung und Forschung nicht sinnvoll, Profillinien an den Bedürfnissen der Wirtschaft auszurichten. Die Wirtschaft kann ihren Bedarf selbst meistens nur am aktuellen Stand messen, Fragen welche Fachrichtungen und Qualifikationen in Zukunft gebraucht werden, können WirtschaftsvertreterInnen nur selten verlässlich beantworten. Auch was Fragen der Weiterbildung anbelangt, dürfen nicht nur die Bedürfnisse der Wirtschaft in Betracht gezogen werden. So haben auch soziale Einrichtungen und schulische Institutionen einen berechtigen Bedarf an kontinuierlicher Fortbildung.

Es ist also zu befürchten, dass die Wissenschaftsräume auf allen Ebenen neue Grenzen erzeugen und nicht, wie angedacht, die Wettbewerbsfähigkeit des gesamten Landes Sachsen stärken. Stattdessen wird auch durch die möglichen Gruppenzielvereinbarungen und damit leistungsbezogenen Budgetierung von gesamten Wissenschaftsräumen neue Konkurrenz zwischen den Hochschulen erzeugt.

Aus Sicht der Konferenz Sächsischer Studierendenschaften ist es unerlässlich, dass in den Wissenschaftsforen einerseits alle Mitgliedergruppen der Hochschulen und andererseits VertreterInnen aus Kultur, Sozialbereich, Wirtschaft, Bildungseinrichtungen, ArbeitnehmerInnen und ArbeitgeberInnenvertretungen und der jeweiligen Stadtgemeinden vertreten sind. Eine große Anzahl an TeilnehmerInnen kann aus unserer Sicht durch geschickte und erfahrene Moderation seitens des SMWK ausgeglichen werden.

Gleichzeitzig ist auch auf Kontinuität – sowohl der Beteiligten als auch der Anzahl der Treffen – zu achten. Es ist aus unserer Sicht unerlässlich, dass hierfür ein gewisser institutioneller Grad erreicht wird. Hier klaffen Anspruch und Ausgestaltung des Wissenschaftsforums in seiner jetzigen Form zu weit auseinander. Vor allem unklar ist die Motivationsstrategie für Mitglieder, die nicht der Weisung des SMWK unterstellt sind. Ebenso ist nicht klar geregelt, wie in den Foren Entscheidungen getroffen werden sollen.

Es bedarf keiner vom SMWK definierten Räume um die wissenschaftlichen Kooperationen auszubauen und zu stärken. Das SMWK muss bestehende Kooperationen fördern und kann offene Strukturen für neue Kooperationen schaffen, welche allerdings nicht einem gesamtheitlichen Konzept entsprechen müssen und nicht an den Grenzen Sachsens aufhören dürfen. Wissenschaftsräume müssen sich thematisch und nicht erzwungen regional vernetzen. Sie dürfen keine neuen Verwaltungsebenen darstellen. Mithin muss der allererste Schritt eine Bestandsanalyse von Kooperationen an den genannten Standorten erfolgen an die es anzuknüpfen gilt. Die Wissenschafsträume dürfen keinen Vorwand für Mittelkürzungen bieten. Eine ausschließliche Orientierung an wirtschaftlichen Interessen ist nicht tragbar. Nicht zuletzt fehlt dem Konzept des Staatsministeriums völlig der Bezug zu den kulturellen und sozialen Einrichtungen der Regionen, die an dieser Stelle zu Unrecht unterschätzt werden.